Alaska Goldrausch 3

Als Entdecker der Goldvorkommen gilt Keish, der auch als Skookum Jim Mason bekannt war und zum Indianerstamm der Tagish gehörte, oder seine Schwester Kate Carmack († 1920), die Frau von George Washington Carmack, dem der erste Claim gehörte. Keish führte im August 1896 von Carcross aus seinen Cousin Skookum Jim, auch Dawson Charlie oder Tagish Charlie genannt (Káa Goox), und seine Nichte Patsy Henderson[11] den Yukon abwärts. An der Mündung des Klondike trafen sie auf George Carmack und dessen Frau Kate, die Lachs fingen.

Am 16. August 1896 fand die Tagish-Gruppe Gold am Bonanza Creek, der zu dieser Zeit noch Rabbit Creek hieß. Doch konnte sie angesichts des ausgeprägten Rassismus, der hier vorherrschte, keinen Claim anmelden. Diese Aufgabe fiel Kate Carmacks Ehemann George zu. Die Nachricht von dem Goldfund sprach sich im Yukontal schnell herum. 25 Goldsucher vom Fortymile River und vom Stewart River kamen eilig zu den Claims am Bonanza, Eldorado und Hunker Creek, noch bevor Carmack seinen Claim beanspruchen konnte, indem er seine Anmeldung aus Forty Mile vorlegte. Fast ein Jahr lang konnten die vergleichsweise wenigen Goldgräber der Region ungestört suchen, bis einige der reich gewordenen Männer per Dampfboot die Westküste erreichten.

Die Nachricht erreichte die USA im Juli des folgenden Jahres, als die Excelsior in San Francisco und die Portland in Seattle ankamen. In den USA war es nach der Panik von 1893 und der von 1896 zu schweren wirtschaftlichen Erschütterungen gekommen. Daher wurde die Nachricht von den Goldfunden begierig aufgenommen. Als die Portland am 17. Juli 1897 in Seattle anlegte, forderten die rund 5.000 Anwesenden durch Zurufe die erfolgreichen Goldsucher auf, ihr Gold zu zeigen. Diese zogen es daraufhin aus ihren Taschen und präsentierten es der jubelnden Menge. In der „Klondike-Ausgabe“ hatte der Seattle Post-Intelligencer unter der Schlagzeile Gold! Gold! Gold! Gold! und Sixty-Eight Rich Men on the Steamer Portland (Achtundsechzig reiche Männer auf dem Dampfer Portland) von Gold im Wert von 700.000 Dollar berichtet.
Goldsucher am Chilcoot Trail
Bootsbau am Bennett-See 1897/98
Angehörige der North West Mounted Police, Juli 1900

Nun setzten sich rund 100.000 Männer und einige Frauen nach Westen bzw. Norden in Bewegung. Auch aus Australien und Großbritannien kamen Goldsucher. Sie waren so zahlreich, dass man für 1898 mit rund 40.000 Goldsuchern im Yukon-Gebiet rechnet. Doch suchten bei weitem nicht alle Gold, denn rund die Hälfte von ihnen meldete weder einen Claim an, noch suchten sie überhaupt Gold. Einige suchten das Abenteuer, doch die meisten suchten Beschäftigung in den zahlreichen Gewerben, welche die explosionsartig anwachsende Stadt Dawson bot.

Die meisten Goldsucher landeten zunächst in Skagway oder in Dyea. Beide Orte lagen an der Mündung des Lynn Canal. Von dort ging es über den Chilkoot Trail zum Chilkoot Pass, andere bevorzugten den White Pass, von dem es zum Lake Lindeman oder zum Lake Bennett ging.[12] Dort bauten sie Flöße und Boote, um die nächsten 800 km bis Dawson zu überwinden. Monatelang musste von weit her Holz beschafft werden, denn man war hier bereits an der Waldgrenze. Im Winter 1897/98 überwinterten an beiden Seen je 10.000 Männer in Zelten. Im Mai 1898 fuhren rund 7.000 Boote den Fluss abwärts. Die dreiwöchige Reise führte durch zahlreiche Stromschnellen wie im Miles Canyon oder denen von White Horse, Five Fingers und The Rink.
Hauptrouten zu den Goldfeldern am Klondike

Andere versuchten quer durch Kanada zu kommen, doch brauchten viele dazu ein oder zwei Jahre. Die Strapazen dieser Reisen hielt Kanadas Innenminister Clifford Sifton im Jahr 1897 für nicht beschreibbar. Auch viele Pferde starben an den Pässen, so dass Jack London den White Pass in Dead Horse Pass umbenannte. Von denen, die scheiterten, brachen die meisten an den Pässen ab. An den steilsten Stellen wurden Seile eingehängt. Am 3. April 1898 tötete eine Lawine allein 63 Männer am Chilkoot. Wem das Geld ausging, der verdingte sich als Packer und Träger, wie es die Männer der umwohnenden Stämme taten, wie der Stikine, Chilcoot und Chilkat. Die Preise waren hoch, ähnlich wie die Risiken und Strapazen. Alle Städte auf dem Weg zum Klondike wurden von zahllosen Goldsuchern überschwemmt, von denen viele dort blieben. Das galt für Seattle, aber auch für Victoria und vor allem Vancouver. Umgekehrt brachten viele Gold mit, was der lokalen Wirtschaft zugute kam.

Die Erfahrungen früherer Goldräusche hatten gelehrt, dass es ohne strenge Vorschriften zu schweren Zwischenfällen kommen würde. So zwang die Regierung die Goldsucher, einen ganzen Jahresvorrat an Lebensmitteln mitzubringen, was ungefähr 500 kg entsprach. Dazu kamen weitere 500 kg sonstiger Ausrüstung. Ohne diese Tonne Marschgepäck wies die von der kanadischen Regierung abkommandierte North West Mounted Police bzw. die Yukon Field Force jeden Goldsucher ab. Sie war es, die unter dem Kommando von Sam Steele die beiden Pässe kontrollierte. Gleichzeitig achtete sie darauf, dass möglichst wenige Waffen aus den USA nach Kanada kamen. Noch immer fürchtete die Regierung eine gewaltsame Übernahme der dünn besiedelten Region durch die zahlreichen Amerikaner.

Als die ersten Goldsuchermassen in Dawson ankamen, mussten sie feststellen, dass praktisch alle Claims vergeben waren. Die Preise für alle Waren waren in die Höhe geschnellt. Viele verkauften ihre Ausrüstung, die sie mühsam nach Dawson gebracht hatten, und verließen die Stadt, um zurückzukehren. Andere verdingten sich als Lohngräber oder boten den Claim-Inhabern andere Dienstleistungen an. Insgesamt wandten die Goldsucher 50 Millionen Dollar auf, um zum Klondike zu kommen, was etwa dem Wert des Goldes entsprach, das sie in den ersten fünf Jahren aus dem Land holten.

Das Verfahren der Goldgewinnung war zunächst sehr einfach. Die Prospektoren suchten im Sand und Geröll von Bächen nach Gold, das bereits aus dem Fels erodiert war. Dazu benutzten sie Pfannen, Rütteltische und Feinwaschrinnen, in denen per Hand das Gold in Form von Nuggets, meistens aber als Goldflitter ausgelesen wurde. An tieferliegendes Gold, wie im Permafrostboden, kam man mit ebenso einfachen Verfahren. Ab 1887 entzündete man in Forty Mile einfach Feuer, um den Boden aufzutauen.
Der Hafen von Dyea im März 1898

Später bauten die Goldsucher Wasserleitungen, um so das Gold auszuwaschen. Dies war die einzige Zeit, meist im Frühjahr, wenn der Wasserstand der Flüsse hoch genug war, wo mehr Arbeitskräfte erforderlich waren. In einem dritten Stadium wurden Goldwäschen und Goldbagger gebaut, die große Mengen Gesteins durchspülten. Schließlich ging man dazu über, Goldadern anzugreifen, indem man untertägige Goldminen baute. Dies erforderte jedoch schon größere Maschinen, Erfahrung und erheblich mehr Kapital.
Goldbagger am Bonanza Creek, nahe Dawson

Die Goldgräberei erforderte zunächst einen Claim, dann jedoch zahlreiche Baulichkeiten, einschließlich der ersten, sehr einfachen Blockhütten. Daneben entstanden aber auch Infrastrukturen wie die 1899 gegründete Klondike Mines Railway, die von 1905 bis 1913 Sulphur Springs mit Dawson verband, oder die White Pass and Yukon Railway. Die dazugehörige Gesellschaft wurde 1898 in London gegründet, und die Bahn verkehrt noch heute zwischen Whitehorse und Skagway.

Die Häfen profitierten von dem Anstrom, zumal die Goldsucher bereit waren, fast jeden Preis zu zahlen. An diesen Nadelöhren siedelten sich zahllose Gewerbe an, vor allem solche, die die Ausrüstung bereitstellten, wozu auch Bücher und Führer zum Klondike gehörten, wie Clements’ Guide to the Klondike, Los Angeles: B. R. Baumgardt and Co., 1897. Ausstatter wie Cooper and Levy in Seattle und Levi Strauss & Co. in San Franzisco erkannten die Gunst der Stunde.[13] Besonders Skagway – von hier ging es zum White Pass – und Dyea – von hier ging es zum Chilcoot Pass – in Alaska, die Einfallstore zu den immer noch 1000 km entfernten Goldlagern, wuchsen rapide.
Quelle:Wikipedia

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