Alaska Goldrausch 4

Eine zentrale Rolle spielte Joseph Ladue oder Ledoux, dessen Familie aus dem französischsprachigen Kanada stammte und der als Gründer Dawsons gilt. Er wurde am 26. Juli 1854 in Schuyler Falls bei Plattsburgh im Bundesstaat New York geboren und sprach Französisch.[14] 1874 ging er in den Westen und arbeitete 1882 in Alaska in der Treadwell Mine, einer Goldmine im so genannten Panhandle von Alaska, die 1881 eröffnet worden war und die zeitweise die größte Goldmine der Welt darstellte. Ein Jahr später überquerte er als einer der ersten den Chilkoot Pass und zog nach Fort Reliance, wo ein Handelsposten gegründet worden war. Ladue wurde Partner der beiden Gründer Jack McQuesten und Arthur Harper, und sie experimentierten mit neuen Goldgewinnungstechniken. 1894 eröffneten Ladue und Harper einen Handelsposten auf einer der Inseln im Yukon, unweit der Einmündung des Sixtymile River, den sie nach William Ogilvie „Ogilvie“ nannten. Im Winter 1895 reiste er nach New York, und hörte bei seiner Rückkehr von den Goldfunden der Carmacks bzw. von Skookum Jim und Tagish Charlie. Eilig erwarb er für 1600 Dollar 160 Acre Land an der Mündung des Klondike.

Am 1. September verlagerte Ladue seine Sägemühle von Sixtymile nach Dawson, womit ein erstes Gebäude entstand. Hinzu kam ein Laden und ein erster Saloon, der Pioneer. William Ogilvie berichtete, dass alle Straßen im dort entstandenen Dawson, die parallel zum Fluss verliefen, 66 Fuß lang und lotrecht zu den 50 Fuß langen Gebietsstreifen lagen, die Ladue gehörten. Diese verkaufte er für je 5000 Dollar. Zudem schilderte er die Goldfunde in der näheren Umgebung in den leuchtendsten Farben, um möglichst viele Goldsucher in der Nähe zu halten, die bei ihm einkauften. 1897 benannten Ladue und Harper die Stadt nach George Mercer Dawson, der die geologische Untersuchung der Region durchgeführt hatte. Am 14. Juli 1897 war Ladue unter jenen reichen Männern, die 1897 San Francisco erreichten, und den die Zeitungen als Bürgermeister (mayor) von Dawson bezeichneten. Im Dezember heiratete Ladue Anna Mason aus vermögendem Haus. Die inzwischen von Ladue gegründete New Yorker Ladue Gold Mining & Development Co. besaß einen Wert von 5 Millionen Dollar. Ladue starb am 27. Juni 1901 im Alter von 47 Jahren in seinem Geburtsort.

Auf der gesamten Strecke zwischen den Häfen bis nach Vancouver und Seattle siedelten sich Geschäfte an, die die Goldgräber mit allem versorgten, was sie zum Überleben und für ihre Schürf- und Waschtätigkeit brauchten. Daneben entwickelten sich aber schnell andere Gewerbe, die den Bedarf der länger bleibenden Männer deckten, wie Wäschereien, Barbiere, Hotels und Saloons sowie Bordelle.

In Dawson entwickelte sich die Gewerbestruktur hauptsächlich in der Boomphase von 1898 bis 1899. So entstand nördlich der King Street ein Bezirk, dessen nördlicher Teil sich um die St. Mary’s-Kirche und das Hospital lagerte. Entlang des Ufers erstreckte sich der Handelsbezirk mit Läden und Lagern. Von deren Inhalt hingen alle Bewohner vollständig ab, insbesondere während der sechs Monate, in denen die Stadt nicht per Schiff erreicht werden konnte.

Den zweiten, sich südlich anschließenden Bezirk kann man zwischen King Street und Princess Street, sowie zwischen Ufer und der Fourth Street erkennen. Er hatte einen fast quadratischen Grundriss, und war schon deshalb weniger begehrt, weil er oft nass und geradezu sumpfig war, und zudem überschwemmungsgefährdet. Hier fanden sich alle Gewerbe, die der Reparatur und der Ausstattung mit Goldgräberausrüstungen dienten, dazu Banken, Wäschereien und Spirituosengeschäfte, aber auch Saloons, Tanzsäle, Theater und Spielkasinos.

Wer keinen Claim bekam oder aus sonstigen Gründen nicht nach Gold suchte, wurde Cheechako genannt. Sie waren teilweise ähnlich erfolgreich wie manche Goldsucher und schufen einen Luxusmarkt, etwa für aufwändige Hausfassaden, die überwiegend noch heute bestehen, aber auch für Musikinstrumente, teure Stoffe oder Schmuck. Dabei bevorzugte man wegen der enormen Kälte im Winter weiterhin Holz als Baumaterial, denn die damaligen Ziegel hätten den extremen Anforderungen der winterlichen Kälte nicht standgehalten. Hinzu kamen neuere Gebäude wie die Bank of Commerce oder die Carnegie Library, die den repräsentativen Bauwerken im Süden Kanadas nicht nachstanden. Man nannte Dawson sogar in dieser Zeit das „Paris des Nordens“, Doch spätestens als 1906 die Residenz des Commissioners abgerissen und durch ein viel bescheideneres Gebäude ersetzt wurde, war offenkundig, dass die Regierung keine große Zukunft mehr für Dawson erwartete.
Westminster Hotel, erbaut 1898

Mit dem Nachzug von Frauen und Familien verminderte sich der anfangs sehr hohe Bedarf an Wäschereien. Diese hatten früher, etwa beim Goldrausch am Fraser oder im Cariboo-Gebiet, Chinesen betrieben, denen jedoch inzwischen die Einwanderung erschwert wurde. Ähnliches galt für die Prostitution. Entgegen der allgemeinen Moral der Zeit behinderte die Polizei die Frauen nicht. Sie erlaubte auch die Ansprache der Kunden in Bars, in gemieteten Räumen und auf der Straße.[15] In den Zeitungen schrieb man von „demi-monde“ und „soiled doves“ (wörtlich: beschmutzte Tauben), um die Frauen zu benennen. Ein Abgabensystem wurde ihnen auferlegt, und alle zwei Monate mussten sie sich einer Gesundheitsuntersuchung unterziehen, die jedoch eher einer Lizenzierung gleichkam. Mit den Einnahmen wurden wohltätige Einrichtungen wie Krankenhäuser unterstützt.

Bis Mai 1899 gingen die Frauen ihrem Gewerbe in der Paradise Alley und der Second Avenue im wirtschaftlichen Zentrum der Stadt nach, doch dann mussten sie den Kernbezirk verlassen. Sie erhielten einen eigenen, abgelegeneren Bezirk zwischen der Fourth und der Fifth Avenue. 1901 wurden sie noch weiter abgedrängt und mussten nach Klondike City, auch Lousetown (Läusestadt) genannt, umziehen. 1902 begann eine Kampagne gegen die Prostitution, die in die wohlhabenderen Viertel zurückkehrte, wozu sie der ökonomische Niedergang der Stadt und die Abwanderung zwang. Dieser Niedergang führte dazu, dass ab 1907 die Frage nicht mehr diskutiert wurde, obwohl das Gewerbe nie ganz verschwand. Das letzte Bordell wurde 1961 geschlossen.

Mit dem Abflauen des Goldrauschs normalisierten sich nach und nach die Verhältnisse. Martha Purdy (1866–1957) beteiligte sich an Claims, betrieb eine Sägemühle und eine zum Zerkleinern von Erz. 1904 heiratete sie den Rechtsanwalt George Black und wurde als „First Lady of the Yukon“ bekannt, denn ihr Mann war 1912 bis 1918 Commissioner of the Yukon. Für ihre Vorträge über die Flora des Yukon wurde sie 1917 Mitglied in der britischen Royal Geographical Society. Sie war 1935 die zweite Frau, die einen Sitz im kanadischen Parlament einnahm. Sie hatte den Goldrausch fast von Anfang an miterlebt. So hatte sie sich schwanger von ihrem Mann, der nach Hawaii gegangen war, getrennt, und 1898, bereits auf dem Weg zum Klondike, ihr Kind in einer Blockhütte zur Welt gebracht. Insgesamt hatte sie drei Söhne. Zwar kehrte sie nach Chicago zurück, doch 1901 war sie wieder am Klondike.[
Quelle:Wikipedia

Tags: , ,

Leave a Reply